Der Ursprung und die Herkunft

Der Herkunftsname Schwabach/Schwabecher wurde vom kleinen Dorf bzw. Bach Schwobach (ursprünglich Schwabach. Mundartige Aussprache des langen /a/ als /o/) abgeleitet, das direkt neben dem Familienstammsitz Schwobacher Hof seinen Ursprung hat. Der Name Schwabach/Schwobach besteht aus zwei Teilen „Schwab-ach“ genau wie „Schwob-ach“. „Schwob-“ kommt aus dem Althochdeutschen „sweb“ (mit kurzem e), das „Flut, Strudel“ bedeutet. „–ach“ kommt von einem Althochdeutschen Wort für „Fluss“, dass wir in Flussnamen auch als „-aa“ oder „au“ wieder finden.

Schwobacher Tal 1

Schwobacher Tal

Seit 1227 werden mehrere Schreibweisen des Namens gleichzeitig verwendet. Neben den klassischen von Schwabach / von Schwobach schreiben sich die Familienmitglieder als de Suapach, von Swabach, von Swapbach, von Swobach, von Schwappach, genannt von Schwabach, genannt Schwabecher etc. Seit Ende des 16. Jh. erscheint der Familienname öfters ohne die Präposition „von“ oder mit der Ableitung auf –er, also Schwa(o)bach oder Schwa(o)becher. Auch hier variieren die Schreibweisen: Schwabe(ä/a)cher, Schwobe(ä/a)cher. Nach der Auswanderung der Familie nach Russland im Jahre 1764 etablierte sich der Familienname Schwabecher.

Der Ursprung und die Herkunft der Familie von Schwabach liegen im Dunkeln. Zum ersten Mal erscheint die Familie mit dem Mainzer Ministerialen und Burgmann auf der Mainzer Burg Scharfenstein, Eberwinus de Suabach (Erwin von Schwabach) im Jahre 1227. Als Erzbischof Sigfrid II. von Mainz am 22. September 1227 die von seinem Vorgänger Ruthard dem Kloster St. Alban gemachte Schenkung von Gütern zu Eltville und Steinheim bestätigt, erscheint auf dem 11. Platz in der Zeugenreihe Erwin von Schwabach. Weitere Zeugen sind als alte und bedeutende Mainzer Ministerialengeschlechter aus den Mainzer Urkundenbüchern gut bekannt. Es sind: Rupertus comes irsutus, Fridericus de Kelberowa camerarius Maguntinus, Embercho comes Reni et vicedominus, Wernherus frater suus (b), Eberhardus de Turri, Meingotus, Cunradus Magnus, Helfricus, Embricho filius Didonis, Eberwinus de Suabach, Theodericus, Mengotus et Hertwicus milites de Scarpenstein, Stephen de Walteggen.

Burg Weilburg2

Burg Weilburg

Es ist auffällig, dass Erwin von Schwabach in der Mitte und zusammen mit verwandten und bedeutenden Mainzer Geschlechtern plötzlich und ein einziges Mal auftaucht und genau so plötzlich verschwindet. Durch eine umfassende Erforschung der Mainzer und Wormser Ministerialität wurden keine nennenswerten Ergebnisse erzielt: weitere Zeugnisse über Erwin von Schwabach oder Familie von Schwabach konnten nicht gefunden werden. Da die Fälschungen in den Mainzer Urkunden gut bekannt und erforscht sind, die Urkunde von 1227 aber als eine solche nicht in Frage kommt, die anderen Zeugen der Wissenschaft gut bekannt sind, so kann auch die Existenz von Erwin von Schwabach nicht angezweifelt werden.

Lange warten wir auf das zweite Erscheinen der Herren von Schwabach. Erst als am 9. Juni 1264 Heinrich Hellewarg und F. von Eschenau zu Gunsten des Deutschen Ordens ihren Ansprüchen auf den Nachlass des H. von Wehrshausen entsagen, erscheint nach dem Siegler Graf Walram II. von Nassau als Zeuge sein Weilburger Burgmann Crafto de Swabach (Kraft von Schwabach). Bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts bleiben die Herren von Schwabach treue Begleiter der Grafen von Nassau.

Bis 1574 standen die Mitglieder der Familie in Diensten der Grafen von Nassau, von Diez-Weilnau, von Solms, von Hanau sowie der Herren von Merenberg und von Eppstein. Sie stellten die Burgmannschaft auf den Burgen Scharfenstein, Weilburg, Alt-Weilnau, Braunfels, Idstein, Cleeberg sowie Gleiberg und Kalsmunt.

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Schwobacher Tal

Eine Verbindung zwischen Erwin und Kraft von Schwabach und die Lücke zwischen 1227 und 1264 konnte bis jetzt kaum erklärt bzw. gefüllt werden. Die Untersuchung der Nassauer Ministerialität und Weilburger Burgmannenfamilien konnte ebenfalls die Frage nach dem Ursprung der Familie nicht klären. Kraft war vermutlich der Sohn von Erwin, denn die beiden Vornamen Kraft und Erwin bleiben neben Heinrich und Johann die Leitnamen der Herren von Schwabach für die nächsten Jahrhunderte.

Eine der wichtigen Erkenntnisse bei der Suche nach dem Ursprung der Herren von Schwabach bringt die Analyse derer Besitztümern. Denn nur ganz wenige erscheinen als Eigengut. Es handelt sich dabei um Güter in Immenhausen (1324, untergegangenes Dorf bei Niederquembach), herrschaftlicher Wald, Am Krötenpfuhl im Hainer Walde zwischen Kröffelbacher und Kraftsolmser Gebiet (1319), Güter in Oberwetz (1316), umfangreiche Teile des Quembacher Gerichtes (1326, 1333) sowie Güter in Schwabach (1326). Das Eigengut der Herren von Schwabach liegt somit in einem kleinen Umkreis um den Stammsitz Hof Schwabach (heute Schwobacher Hof) im südlichen Teil des Quembacher Gerichtes. Diese Erkenntnis lässt vermuten, dass die Herren von Schwabach in ihrem Ursprung eine aus der Region stammende und schon seit Generationen im Quembacher Gericht beheimatete  Familie gewesen ist.

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Wappen der Herren von Frauenstein (by Rolf Zobel)

Auf der Suche nach einer möglichen Stammesgleichheit mit den anderen Geschlechtern wurde eine Wappenanalyse der in den benachbarten Gebieten vom Quembacher Gericht aber auch in den Regionen Mainz, Nassau, Weilburg ansässigen Adelsgeschlechtern durchgeführt. Die Herren von Schwabach haben ein sehr schlichtes Stammwappen: geteilter rot-goldener Schild. Nur sehr wenige Geschlechter kamen dabei in eine engere Auswahl. Vor allem handelt es sich dabei um die Mainzer und Nassauer Ministerialen von Frauenstein (auch genannt als Hud von Sonnenberg oder von Dotzheim) mit ihrem quer geteilten gold-rotem Schild. Doch eine aufwendige Quellenanalyse hat nur eine Wappenähnlichkeit, aber keine Stammesgleichheit der beiden Familien ergeben.

Wappen Muenzenberg

Wappen der Herrschaft Münzenberg (Wappengrafik erstellt von LeoDavid)

Ein absolut identisches Wappen führten angeblich die Reichsministerialen von Münzenberg. Die Reichsburg Münzenberg liegt nur 30 km vom Hof Schwabach entfernt. Auch ein urkundlicher Zusammenhang ist gegeben. Als einige Jahre nach dem Aussterben der Reichsministerialen von Münzenberg am 16. Oktober 1271 die Gebrüder Werner und Philipp von Falkenstein ihr Münzenberger Erbe unter sich aufteilen, werden mehrere Dörfer, Leute und Güter, die zu ihrer Burg Münzenberg gehören, genannt. Folgende Vereinbarung wird getroffen: Philipp von Falkenstein erhält die Gerichte Münster, Weisel, Griedel, Ober-Hörgern, Eberstadt und Grü­ningen samt Zubehör; zudem die Leute in Rockenberg und Stein­furth. In den Dörfern Güll und Nauheim, die innerhalb der Gerichtssprengel Philipps liegen, stehen Werner die Zehnten zu. 200 Achtel Hafer jährlicher Einkünfte aus den Gerichten Philipps sollen die Brüder teilen; jährliche Einkünfte von 6 Pfund weniger 5 Schilling in Hausen, 25 Schilling Kölner Pfennige und 5 leichte Schilling in Schwabach und schließlich 2 Pfund vom Hof in Grüningen kommen ihnen gemeinsam zu.

Schwabach

Schwabach

Doch die Situation mit dem Münzenbergischen Wappen ist wissenschaftlich nicht endgültig geklärt. Es ist nachgewiesen, dass die Herren von Münzenberg ein Wappen mit drei  Minzstängeln auf einem Berg geführt haben, doch niemals einen geteilten rot-goldenen Schild. Erst die Erben der Herren Münzenberg haben den geteilten Schild angenommen. Man interpretiert dieses Wappen als das Wappen der Herrschaft Münzenberg. Da die Herrschaft Münzenberg zum größten Teil aus der ehemaligen Grafschaft Nürings bestand und im Siebmacher Wappenbuch behauptet wird, dass die Grafen von Nürings einen geteilten Schild als Wappen geführt haben, führt man im allgemeinen dieses Wappen auf die Grafen von Nürings und ihre Grafschaft zurück. Eine mögliche Erklärung lautet: die Grafschaft Nürings muss damals so bedeutend gewesen sein, dass die Erben der Herren von Münzenberg aus Prestige das Nüringser und nicht das Münzenbergische Wappen genommen haben, um sich als Erben der Grafen von Nürings erkenntlich zu machen. Doch ein genauerer Zusammenhang zwischen den Herren von Schwabach und der Herrschaft Münzenberg bzw. der Grafschaft Nürings konnte bis heute nicht geklärt werden.